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10 Mythen über das Darknet

Einführung

YouTube hat einen großen Hype um das Darknet geschaffen. Es gab eine Zeit, in der viele Videos über diesen mysteriösen Teil des Internets gedreht wurden ... eines hanebüchener als das andere. Dabei sind viele Mythen entstanden, die sich bis heute noch halten. In diesem Artikel möchte ich die 10 bekanntesten Mythen benennen und erklären, warum man sie nicht so ernst nehmen sollte.


1. Deep Web = Darknet

Der erste Mythos beginnt direkt mit der Begrifflichkeit "Darknet" und ihrer Einordnung. Viele denken, dass mit dem Deep Web, von dem auch oft die Rede ist, gleichzeitig auch das Darknet gemeint ist. Dem ist aber keineswegs so. Wie du aus meinem Artikel zu den Unterschieden zwischen dem Deep Web und dem Darknet weißt, ist das Darknet eine Teilmenge des Deep Webs und macht weniger als ein Prozent des gesamten Internets aus, während das Deep Web ca. 98% bildet. Wenn man das Deep Web meint, dann handelt es sich dabei nicht um das Darknet (und umgekehrt).


2. Es ist schwierig, ins Darknet zu kommen

Viele behaupten, dass es schwierig sei, ins Darknet zu kommen. Auch das ist falsch! Um ins Darknet zu kommen, brauchst du neben einem herkömmlichen Rechner einfach nur den Tor-Browser und eine Adresse, die auf .onion endet. Hier kannst du dir den Tor-Browser herunterladen. Solange du im Darknet nichts kaufen willst, brauchst du dich noch nicht einmal mit Bitcoins oder anderen Kryptowährungen beschäftigen. Es ist auch kein spezielles Betriebssystem wie etwa Linux Tails notwendig, doch es schadet selbstverständlich nicht, dieses Privatsphäre schützende System zu nutzen.


3. Das Darknet ist illegal

Das Gerücht, das Darknet sei illegal, wird vor allem durch negativen Berichterstattungen über das Darknet gespeist. Das Darknet an sich ist nicht illegal. Überhaupt sprechen wir beim Darknet eigentlich primär von Seiten, die nur über den Tor-Browser erreichbar sind, die man nicht über klassische Suchmaschinen finden kann und auf denen z. B. Hidden Services angeboten werden. Auch ein Hidden Service ist erstmal nicht illegal. Selbst Facebook bietet einen Hidden Service an, der es Nutzern des Tor-Browser erleichtern soll, Facebook zu nutzen, doch dazu später mehr.

Man darf aber natürlich nicht verschweigen, dass es auch illegale Dienste im Darknet gibt. Hierzu zählen z. B. Plattformen, auf denen man Drogen und Waffen kaufen kann. Doch auch hier gilt, dass der Besuch an sich erstmal nicht illegal ist. Erst der Kauf von Waffen oder die Beauftragung von Hackern werden als Straftat angesehen. Die genaue Gesetzeslage hängt von dem jeweiligen Land ab. In einigen Ländern (wie z. B. Nordkorea) ist alleine die Nutzung des Tor-Browsers schon illegal.


4. Das Darknet ist größer als das "normale" Internet

Das Darknet macht weniger als ein Prozent des gesamten Internets aus. Mit dem "normalen" Internet meint man oft das Surface Web, das nur etwa 2% ausmacht. Dementsprechend ist das Darknet immer noch viel kleiner als das Surface Web. Die Verwirrung kommt vermutlich dadurch zustande, dass für viele das Deep Web und das Darknet dasselbe ist. Du weißt es aber mittlerweile besser!


5. Das Darknet ist nur etwas für Kriminelle

Dadurch, dass viele denken, dass Darknet sei illegal, wird oft behauptet, dass sich im Darknet nur Kriminelle herumtreiben. Wie du mittlerweile weißt, ist das Darknet an sich keineswegs illegal und somit ist diese Behauptung auch falsch. Es treiben sich im Darknet natürlich auch Kriminelle herum, doch die absoluten Zahlen dürften im Rest des Internets weitaus höher sein, wenn man z. B. an die Skandale um Social Media Plattformen oder diverse Scamming-Webseiten denkt.

Zudem ist für viele politisch verfolgte das Darknet eine der wenigen Möglichkeiten, um geschützt mit anderen zu kommunizieren. Es hat schon einen Grund, weshalb der Tor-Browser in Nordkorea verboten ist. Politisch Verfolgte sind nicht unbedingt Kriminelle und demnach ist die Aussage, dass sich im Darknet nur Kriminelle herumtreiben, schlicht und ergreifend falsch. 


6. Hidden Services können nichts über dich erfahren

Wie schon erwähnt, bietet auch Facebook einen Hidden Service im Darknet an, um Nutzern ein höheres Maß an Anonymität zu ermöglichen. Der Sinn dieses Services ist natürlich fragwürdig, denn was bringt die Nutzung von Facebook über Tor, wenn man sich am Ende doch anmelden muss und damit zeigt, wer man ist. Dadurch gibst du Facebook lediglich noch mehr Informationen, denn dadurch wissen sie, dass du den Tor-Browser verwendest und können dieses Wissen wiederum dazu nutzen, um dir z. B. Werbung für spezielle Security-Lösungen anzuzeigen.

Hidden Services sind also sehr wohl in der Lage, Informationen über dich einzuholen, wenn du es zulässt. Aber auch, wenn du es nicht (bewusst) zulässt, könnte Schadsoftware auf deinen Rechner gelangen, die es Hackern ermöglicht, deine (realen) Standort-Daten zu ermitteln. Du solltest also unbedingt aufpassen, was du dir im Darknet herunterlädst, ob du die Ausführung von Skripten zulässt usw.. 


7. Alle Hidden Services sind illegal

Das Gerücht, alle Hidden Services seien illegal, ist mit dem Hidden Service von Facebook bereits aus der Welt geschaffen. Wir haben im Netzwerk-Praktikum damals auch einen Hidden Service implementiert, um uns mit der Funktionsweise des Tor-Netzwerks bzw. Onion-Routing-Protokolls vertraut zu machen. Wenn alle Hidden Services illegal wären, wäre auch unser Service illegal gewesen, was die Uni wiederum zum Anstifter einer Straftat gemacht hätte. Dass sich eine Uni so etwas natürlich nicht erlaubt, ist klar. Um es noch einmal zu sagen: Nicht alle Hidden Services sind illegal. Es gibt aber selbstverständlich auch illegale Hidden Services, doch die erkennt man schon, wenn man seinen gesunden Menschenverstand einschaltet. Oder denkst du, dass ein Marktplatz, auf dem man gestohlene Kreditkarten-Informationen kaufen kann, legal ist? Vermutlich nicht!


8. Im Darknet kann man alles kaufen

Apropos kaufen: Der Mythos, dass man im Darknet alles kaufen könne, hält sich bis heute. Von Auftragskillern, über Drogen bis hin zu Hacker-Dienstleistungen. Das Problem ist, dass man einiges davon (in der Theorie) tatsächlich kaufen kann, wie etwa Drogen und Waffen. Allerdings ist damit immer eine gewisse Unsicherheit verbunden, denn ein Merkmal eines Hidden Services ist, dass der Käufer nicht weiß, bei wem er kauft und der Verkäufer nicht weiß, wem er etwas verkauft. Somit sind die Tore für Betrügereien geöffnet. Wenn man nämlich nicht weiß, bei wem man etwas kauft, kann man diese Person im Nachhinein nur schwer verklagen (insbesondere dann, wenn man sich etwas Illegales besorgen möchte). Das wissen natürlich auch die Verkäufer. Demnach ist das Einkaufen im Darknet immer mit einem gewissen Risiko verbunden und sollte so gut es geht vermieden werden.

Zudem gib es bestimmte Dinge, von denen man hört, im Darknet auch einfach nicht zu kaufen oder es handelt sich um Scam-Angebote.


9. Du wirst gehackt, wenn du das Darknet betrittst

Nur weil du den Tor-Browser verwendest, heißt das noch lange nicht, dass du gehackt wirst. Solange du dir keine Dateien herunterlädst und ausführst bzw. Skripte nur auf Seiten zulässt, denen du mit Sicherheit vertrauen kannst, haben Hacker nur wenige Möglichkeiten, dich zu hacken. Auch hier ist logischerweise wieder Vorsicht geboten, doch die Gefahr eines Hacking-Angriffs besteht im "normalen" Internet genauso (wenn sie dort nicht sogar noch größer ist, da du im Darknet wenigstens halbwegs anonym unterwegs bist).


10. Red Rooms sind leicht zu betreten

Kommen wir nun zu dem letzten Mythos, nämlich den sogenannten Red Rooms. Die erste Frage, die sich stellt, ist, ob es sie überhaupt (noch) gibt oder je gegeben hat. In den sozialen Medien wurden Geschichten über solche Livestreams, in denen Menschen gefoltert und/oder andere Straftaten begangen werden, zahlreich gepostet und geteilt. 

Ein Argument, das dagegen spricht, ist, dass Livestreams über das Tor-Netzwerk nicht ohne Weiteres möglich sind, da eine Verbindungsanfrage erst durch mehrere Stellen geschleust werden muss. Wir haben im Netzwerke-Praktikum diverse Tests unternommen, um einen flüssig laufenden Livestream über das Tor-Netzwerk zu übertragen, doch hatten am Ende nur sehr überschaubare Ergebnisse, da je nach Übertragungsgeschwindigkeit und Bildqualität die Latenz einfach viel zu groß ist bzw. die Übertragung alles andere als flüssig läuft. 

Und selbst, wenn es sie geben sollte, wird nicht jeder an solchen Livestreams einfach teilnehmen können, da man hierfür eine gesonderte Einladung bräuchte. Der ökonomische Nutzen ist ohnehin fraglich, weshalb man dafür aktiv Geld ausgeben müsste und entsprechende Kontakte bräuchte. Du brauchst also keine Angst haben, dass du zufällig über so etwas stolperst. Dennoch empfehle ich dir, nicht aktiv nach solchen Inhalten zu suchen, da du damit nur die Produzenten (sollte es sie geben) in ihrem kriminellen Treiben unterstützt und wahrscheinlich mit offenen Armen in einen Scam hinein läufst, denn alles, was irgendwie populär ist und viel geklickt wird, dient Scammern als Grundlage dafür, um neue "Opfer" zu fangen.