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Deep Web vs. Darknet

1. Einführung

Wenn man sich mit den "Schattenseiten des Internets", Cybercrime und Hacking-Angriffen beschäftigt, dann tauchen zwei Begriffe immer wieder auf, nämlich Deep Web und Darknet. Viele nutzen diese beiden Begriffe synonym, was jedoch falsch ist, da es sich hierbei um zwei völlig verschiedene Begrifflichkeiten handelt. Dann kommt auch noch der Begriff Surface Web hinzu, der sich auch noch irgendwie in dieses Bild einordnen soll. Wir wollen in diesem Artikel genau untersuchen, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen diesen Begrifflichkeiten liegen und welche Teile des Internets in welche Kategorie einzuordnen sind.


2. Das-Eisberg-Modell

Wenn man Fachbücher aufschlägt oder Seiten mit populärwissenschaftlichen Artikeln zum Deep Web ansurft, findet man oft die Abbildung eines Eisbergs. Was hat der dort zu suchen? Nun, mit diesem Modell kann man sehr gut die zu klärenden Begriffe veranschaulichen.

Die einzelnen Schichten des Eisbergs repräsentieren den entsprechenden Teil des Internets und ihren prozentualen Anteil.


3. Das Surface-Web

Beginnen wir mit dem Bereich, der oberhalb des Eisbergs liegt. Da dieser an der Oberfläche (engl. Surface) liegt, bezeichnet man diesen Teil auch als Surface-Web. Das Surface-Web umfasst alles, was wir täglich im Internet nutzen, z. B. Google, YouTube, Wikipedia, Amazon und all das, was man generell durch den Aufruf eines Links erreichen kann. Mit Suchmaschinen kann man Seiten in diesem Teil des Internets aufspüren. Dieser Teil des Internets macht nur ca. 2% des Internets aus. (*Diese Zahl weicht je nach Quelle ab, doch im Groben kann man von einem einstelligen Prozentbereich ausgehen)

Um auf das Surface-Web zugreifen zu können, benötigt man einen Rechner, eine Internet-Verbindung und einen einfachen Browser. Es sind also keine speziellen Programme notwendig.


4. Das Deep Web

Einen weitaus größeren Anteil (nämlich ca. 98%) hat das Deep Web. Das ist der Teil des Internets, der sich über normale Suchmaschinen nicht finden lässt. Es schwimmt quasi unter der Oberfläche des Internets und ist deshalb schwer zu überschauen. Doch was enthält dieses Deep-Web, wenn das Surface-Web doch schon so schier endlos erscheint?

Im Deep Web sind Informationen und Daten gespeichert, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, also z. B. deine privaten E-Mails, in Clouds gespeicherte Urlaubsfotos, Facebook-Nachrichten oder PayPal-Kontodaten. Überall dort, wo man sich authentifizieren muss, um auf bestimmte Informationen zugreifen zu können, spricht man vom Deep Web. Man kann auch nicht über einen Link direkt darauf zugreifen und findet die Informationen nicht über klassische Suchmaschinen. 

Jetzt ist auch klar, weshalb das Deep Web so einen großen Teil des Internets ausmacht: Die meisten Daten werden nämlich hinter Passwörtern versteckt und sind nicht für jeden gedacht. Oder würdest du wollen, dass man über Google deine Facebook-Chatverläufe auffinden und mitlesen kann? Vermutlich nicht.

Auch für den Zugriff auf das Deep Web sind keine besonderen Tools vonnöten. Du kannst dich doch auch mit einem ganz normalen Browser bei deinem Facebook-Account anmelden, oder? Selbstverständlich kannst du mit dem Tor-Browser, den du für den Zugriff auf das Darknet brauchst, auch das Surface Web und das Deep Web ansurfen. Die Anonymität geht aber natürlich in dem Moment verloren, in dem du dich irgendwo mit deinen Daten anmeldest.


5. Das Darknet (Dark Web)

Kommen wir nun zu dem berühmt berüchtigten Darknet, das du nur mit dem Einsatz spezieller Tools (wie z. B. den Tor-Browser) betreten kannst. Man verwendet für das Darknet auch die Bezeichnung Dark Web, was im Vergleich des Surface, Deep und Dark Webs natürlich Sinn ergibt. 

Was enthält das Darknet? Nun, völlig verschiedene Dinge und entgegen der weitläufigen Meinung treiben sich hier nicht nur Kriminelle herum. Auch ist nicht alles, was im Darknet angeboten wird, automatisch illegal. Im Darknet findet man primär das, was bewusst verborgen wird. Hierzu zählen z. B. spezielle Marktplätze und Hidden Services. Was das genau ist, werden wir in einem anderen Artikel näher besprechen. In aller Kürze sei erwähnt, dass diese Dienste nicht automatisch alle illegal sind, nur weil man sie im Darknet findet. Es sei aber erwähnt, dass dieser Ort natürlich auch für Kriminelle aufgrund des hohen Anonymitätsgrads attraktiv ist, da man dort mehr oder weniger ungestört bestimmte Dienste anbieten kann, die normalerweise illegal sind ... oder nur in manchen Ländern illegal sind. Wie gesagt, da kommen wir an anderer Stelle noch einmal genauer drauf zu sprechen.

Wie bereits erwähnt brauchst du den Tor-Browser, um ins Darknet zu kommen. Wenn du etwas im Darknet kaufen möchtest, dann solltest du wissen, wie du Bitcoins erwirbst und mit ihnen bezahlst, da man zur Wahrung der Anonymität selbstverständlich Cryptowährungen als Zahlungsmittel verwendet. Ansonsten könnte man sich die ganze Geheimhaltungsthematik im Vorfeld auch sparen. Zudem schadet es nicht, sich mit Linux Tails auseinanderzusetzen. Hierbei handelt es sich um ein Betriebssystem, das seinen Nutzern ein Höchstmaß an Anonymität gewährleistet. 

Das Darknet macht nur einen Promille-Anteil am gesamten Internet aus und hiervon ist ein ebenfalls geringer Bruchteil tatsächlich illegal.