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Informatik vs. Wirtschaftsinformatik

1. Einführung

Soso, du bist dir also sicher, irgendetwas mit Informatik studieren zu wollen, doch du weißt noch nicht genau, welche Geschmacksrichtung am Ende sein darf? Du schwankst zwischen (reiner) Informatik und Wirtschaftsinformatik? Dann ist dieser Artikel genau richtig für dich! Wir gehen nämlich gemeinsam der Frage nach, welcher der beiden Studiengänge für wen geeignet ist und worin sie sich voneinander unterscheiden. 


2. Vergleich des Informatik- und Wirtschaftsinformatikstudiums

Zum Informatikstudium habe ich bereits einen Artikel geschrieben, den du hier findest. Deshalb werde ich jetzt nicht mehr so genau auf die Einzelheiten des Informatikstudiums eingehen und sie nur an den entsprechenden Stellen benennen.

Wenn du Wirtschatfsinformatik studierst, wirst du neben den für Informatik üblichen Inhalten vor allem mit Betriebswirtschaftslehre in Verbindung kommen. Du hast in den ersten beiden Semestern also Grundlagenfächer aus dem Bereich der Informatik und der BWL. Damit ist natürlich auch klar, dass an beiden Kernfächern (Informatik und BWL) gespart werden muss, da du schließlich kein Doppelstudium mit 360 ECTS-Punkten absolvierst. Du kannst das ein bisschen mit dem Lehramtsstudium vergleichen. Dort studierst du auch zwei Fächer, die du nicht im vollen Umfang abhandeln kannst. Allerdings werden die Fächer in der Wirtschaftsinformatik so gewählt, dass sie sich gut ergänzen und auf das eigentliche Berufsziel hinarbeiten. Das ist (mit Ausnahme von Bayern und einigen wenigen Bundesländern) im Lehramtsstudium nicht so, da du fernab des Freitstaats z. B. auch Kunst und Physik auf Lehramt studieren kannst. 

Damit wären wir auch schon bei einem ganz wichtigen Punkt, nämlich der Frage nach dem Berufsbild eines Wirtschaftsinformatikers. Ein Wirtschaftsinformatiker hat vor allem die Aufgabe zwischen den beiden Welten der Informatik und der Wirtschaft zu vermitteln. Das klingt jetzt erstmal etwas wage. In einem Science-Slam, den ich dir hier verlinkt habe, habe ich mal gehört, dass Informatiker "fette Nerds" und Wirtschatfsinformatiker "fette Nerds im Anzug" seien. Das ist natürlich ein maßlos übertriebenes Klischee, zeigt aber, in welcher Sparte Absolventen dieses Studiengangs zu finden sind. Der Nerd-Anteil eines Wirtschaftsinformatikers bezieht sich auf seinen technischen Sachverstand und seine Fähigkeit, neue Technologien zu verstehen und in den Gesamtkosmos der Informatik einordnen zu können. Der Anzug-Anteil meint, dass man vor allem in der Business-Welt unterwegs ist und den oft völlig unrealistischen Vorstellungen diverser Auftraggebern und Kunden klar macht, dass eine bestimmte Anforderung technisch in den nächsten zwei Dekaden wohl kaum umsetzbar ist. In der Artikel-13 Debatte, bei der es um die Implementierung von Upload-Filtern ging, hätte ein Wirtschaftsinformatiker die Politik darüber aufklären können, dass das, was im Gesetzesentwurf gefordert wird, mit dem aktuellen Stand der Technik nicht umsetzbar ist.

Genauso verhält es sich auch bei Unternehmen. Unternehmen arbeiten mit unterschiedlichen Softwareprodukten, die auf ihre jeweilige Branche zugeschnitten sind und ggf. nach den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden müssen. Solche Produkte müssen nicht nur entwickelt, sondern auch im Hinblick darauf, ob sie rentabel und zielfördernd sind, beurteilt werden können. Außerdem muss es Experten geben, die diese Software den Anwendern im Unternehmen erklären. Auch für Usability-Tests und Beobachtungen im Umgang mit der Software vor Ort, müssen entsprechende Fachleute das Feedback aufnehmen und zur Optimierung des Produkts den jeweiligen Entwicklern kommunizieren können. Darin sind studierte Wirtschaftsinformatiker sehr gut. Ein Wirtschatfsinformatiker fungiert als Vermittler zwischen Informatikern, Softwareentwicklern und dem Unternehmen. Er muss nicht in der Tiefe die Technik verstehen, sondern vielmehr in der Lage sein, eine IT-technische Fragestellung einordnen und mit den richtigen Leuten besprechen zu können. Deshalb findet man Absolventen in diesem Bereich auch oft im IT-Management. Auch in Startups sind sie häufig anzutreffen, da ihr betriebswirtschaftliches Knowhow gerade in den Anfängen der Unternehmensgründung wichtig ist. Gleichzeitig möchte man als junges Software-Startup natürlich auch jemanden haben, der "mal anpacken", d. h. programmieren kann.

Wenn dir die Arbeit mit vielen (verschiedenen) Kunden Spaß macht und du gerne vermittelnd, erklärend, sowie beratend zur Seite stehst statt nur an algorithmischen Fragestellungen zu tüfteln, dann ist ein Wirtschaftsinformatikstudium für dich vermutlich die bessere Wahl als ein reines Informatikstudium. Du solltest dich bei der Studienentscheidung aber auf jeden Fall sowohl für Informatik, als auch für BWL interessieren.

Wie schon erwähnt, gibt es im Wirtschaftsinformatikstudium einen hohen BWL-Anteil. Man hat Module aus dem Bereich Buchhaltung, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Kostenrechnung, Wirtschaftsprivatrecht, Steuern und Bilanzierung, Geschäftsprozesse und Business-Simulation. Alle diese Fächer hatte ich z. B. nicht, da ich Informatik studiert habe. Auch der Mathematik-Anteil ist im Wirtschaftsinformatikstudium deutlich geringer. Der Fokus liegt hierbei weniger auf dem Erlernen von abstrakten Konzepten, sondern um die konkrete Anwendung, um z. B. die Fächer Kostenrechnung, Steuern und Bilanzierung erfolgreich meistern zu können. Das kommt aber auch ganz darauf an, wo du studierst. Ein Kommilitone von mir hatte zuvor Wirtschaftsinformatik an einer Uni studiert und erzählt, dass sie die Mathe-Vorlesungen mit den Informatikern zusammen gehört haben. Auch der Anteil und vor allem die Inhalte der Programmierfächer unterscheiden sich. Während man im Informatikstudium viele Simulationen durchführt, mit Computeralgebrasystemen arbeitet, vorrangig versucht, effiziente Algorithmen zu implementieren und oft alleine arbeitet, programmiert man im Wirtschaftsinformatikstudium größere Anwendungen in größeren Teams. Das Ziel dabei ist vor allem, dich darauf vorzubereiten im Team zu arbeiten und das Projektmanagement im Auge zu behalten. Natürlich programmiert man auch mal alleine etwas (gerade, weil man verschiedene Vorgehensmodelle wie SCRUM etc. kennenlernt), doch der Anteil ist weitaus geringer als im Informatikstudium, wo man aber auch in Teams entwickelt.

Ob du Wirtschaftsinformatik an einer Uni oder FH studieren solltest, hängt ganz davon ab, ob du schnell in die Praxis einsteigen oder vielleicht lieber in der Forschung tätig werden willst. Wenn dein Fokus auf der späteren Arbeit im Unternehmen liegt, kann ich das Studium an einer FH empfehlen, während man im Forschungsumfeld um einen universitären Abschluss oft nicht herumkommt. Auch in den Gehältern können sich die beiden Abschlussformen unterscheiden, doch im öffentlichen Dienst wird dabei z. B. kein Unterschied gemacht. Ich persönlich halte es auch nicht für sinnvoll einem Uni-Absolventen mehr zu bezahlen als einem FHler, es sei denn, der Fokus der Arbeit ist forschungsorientiert. Unternehmen, die ein Zwei-Abschluss-System pflegen, solltest du in meinen Augen meiden. 

Bei den Einstiegsgehältern geben sich diese beiden Studiengänge nicht viel. Auch die Gehaltsentwicklung hängt zu stark von der jeweiligen Branche, in der man tätig ist, dem Bundesland und vielen weiteren gehaltsbeeinflussenden Faktoren ab. Durchschnittlich können beide Berufsgruppen mit einem Einstiegsgehalt um 4000€ Brutto rechnen.