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LINUX vs UNIX

1. Einführung

Ich werde oft gefragt, ob Linux und Unix eigentlich dasselbe ist. Und wenn nein, wo genau sind die Unterschiede? Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass Linux und Unix keineswegs dasselbe ist!


2. Unix

Unix wurde im August 1969 von Bell Laboratories (heute AT&T) zur Unterstützung der Softwareentwicklung entwickelt - also viel früher als Linux, das von Linus Torvalds entwickelt und am 17. September 1991 erstmals in der Version "Linux 0.01" auf einem ftp-Server zum Download bereitgestellt wurde. Initial wurde Unix in Assembler-Sprache geschrieben. Etwas später (im Jahr 1972) wurde Unix in C implementiert. Diese Portierung sorgte für eine zuverlässige und einfache Bedienbarkeit. Die erste Source-Lizenz (also die Verwendung des Unix-Quellcodes) wurde für OS X und Solaris ausgegeben. Wenn du einen Mac besitzt, dann wirst du sicherlich schon einmal irgendwo gelesen haben, dass OS X auf Unix basiert, d. h. OS X ist ein unixoides Betriebssystem. Unixoid nennt man Betriebssysteme, die versuchen, die Verhaltensweise von Unix zu implementieren. 

Unix kommt von Hause aus mit einer Vielzahl an Entwicklungswerkzeugen und Bibliotheken. Man muss nicht erst zahlreiche Softwarepakete nachinstallieren, sondern kann das Wichtigste direkt verwenden. Unix verfügt über elegante Programmierkonzepte und es lassen sich viele Prozesse sehr leicht automatisieren.


3. Linux

Linux ist ein Unix-Like Betriebssystem und wurde, wie schon erwähnt, von Linus Torvalds entwickelt und 1991 veröffentlicht. Es nutzt nicht direkt den Code von Unix und ist als eigenständiges Betriebssystem zu sehen, d. h. nicht mit Unix verbunden. Linux ist vor allem aus dem Bedürfnis heraus entstanden, freie (also Open-Source-Software) zu schreiben, zu veröffentlichen und zu nutzen. Außerdem ist die Quelloffenheit hervorragend dazu geeignet, um Konzepte von Betriebssystemen nachvollziehen und erlernen zu können. 

So haben sich im Laufe der Jahre viele neue Distributionen von Linux ergeben. Das sind Linux-Instanzen, die den Bedürfnissen der entsprechenden Zielgruppe angepasst wurden. Einige Beispiele sind Ubuntu, Red Hat, Fedora, Debian und das im IT-Security-Umfeld häufig für Penetrationstests eingesetzte Kali Linux.

Selbst die Landeshauptstadt München hat viele Jahre eine eigene Linuxdistribution für die Verwaltung verwendet, nämlich das sog. LiMux. Ich habe damit auch schon gearbeitet und es war eine sehr gute Alternative zu dem Krebs, der sich sonst so auf unseren Rechnern herumtummelt.


4. Unterschiede zwischen Unix und Linux

Obwohl Linux aus Unix heraus entstanden ist und viele Konzepte des Muttersystems umsetzt, gibt es einige Unterschiede, auf die ich im Folgenden eingehen möchte. 

4.1 Enwicklung

Linux ist quelloffen, d. h. der Quellcode kann von den Benutzern eingesehen, angepasst und in einer modifizierten Fassung veröffentlicht werden. Hinter Linux steckt eine starke Community mit zahlreichen Expertenforen, in denen Benutzer auf viele Fragen von Anwendern und Entwicklern hochqualifizierte Antworten geben. Unix hingegen ist in den Laboren von AT&T entstanden und ist nicht quelloffen und wird kommerziell genutzt. Ein Argument, was man in diesem Zusammenhang oft hört, ist, dass durch diesen Closed-Code-Ansatz die Sicherheit gewährleistet werden soll. Ich persönlich halte diese Argumentation für äußerst fragwürdig, da die man an zahlreichen Angriffsmöglichkeiten auf kommerzielle Produkte sieht, dass die Sicherheit von den Fähigkeiten eines kleinen Entwicklerkreises abhängig ist. Nutzt man hingegen die Schwarmintelligenz einer riesigen Entwickler-Community, dann minimiert man dadurch das Angriffsrisiko, da 4 Millionen Augen besser sehen als potentiell 40.

 

Fun-Fact: Gegen Ende der ersten Staffel des Anime Sword Art Online wird dem Protagonisten Kazuto Kirigaya durch den Antagonisten Akihiko Kayaba "The Seed" überreicht, was quasi den Quellcode zu dem namensgebenden Spiel Sword Art Online darstellt. Der Code dieses Spiels wurde dadurch ebenfalls Open-Source und erlaubte es zahlreichen Entwicklern eigene Versionen des Ursprungsspiels (z. B. das in der zweiten Staffel behandelte Spiel Gun Gale Online) zu entwickeln. Diese Herangehensweise ist dem Linux-Gedanken sehr ähnlich.

4.2 Nutzerkreis

Linux-Distributionen sind mitunter die beliebtesten Betriebssysteme der Welt. Der Nutzerkreis erstreckt sich von blutigen Anfängern bis hin zu erfahrenen Programmierern. Man findet sie nicht nur auf Privat- und Bürorechnern, sondern auch auf Handys, Tablets und zahlreichen Webservern. Bei Unix wurde bei der Entwicklung der Fokus hingegen auf den Server- und Großrechnerbetrieb gelegt. Die Unix-Umgebung trug außerdem einen nicht unerheblichen Teil zur Entwicklung des Internets bei, das (wie wir es heute kennen) 1989 von Tim Berners-Lee erfunden wurde. 

 

4.3 Oberfläche

Linux ist sehr vielseitig und bietet eine Vielzahl an GUI-Alternativen, d. h. viele verschiedene graphische Oberflächen. Die häufigsten von Linux bereitgestellten GUIs sind KDE und Gnome. Die meisten Distributionen halten sich heutzutage allerdings an Gnome. Unix wurde in seiner ursprünglichen Fassung als ein Command-basiertes Betriebssystem für Server und Großrechner entwickelt, d. h. man hatte seine Konsole, in die man dann entsprechende Befehle eintippen konnte. Doch später wurde für Unix-Systeme die Common Desktop Environment (CDE) entworfen.

4.4. Dateisysteme

Auch die Dateisysteme, die Linux und Unix unterstützen unterscheiden sich voneinander. Dir werden die meisten Abkürzungen vermutlich nichts sagen, doch Linux unterstützt die Dateisysteme EXT2, EXT3, EXT4, JFS, ReiserFS, XFS Btrfs, FAT, FAT32, NTFS. Unix hingegen unterstützt JFS, gpfs, HFS, HFS +, UFS, XFS, zfs.

4.5 Shell

Als Shell bezeichnet man eine Mensch-Maschine-Schnittstelle, die eine Interaktionsumgebung bereitstellt, in der zeilenweise Texteingaben und -ausgaben möglich sind. Linux nutzt als Standard-Shell die Bash Shell. Bei Unix war die Standard-Shell die GNU Bourne-again Shell. Später wurde sie aber auch kompatibel zur Korn- und C-Shell.