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Lohnt sich ein Master in Informatik?

1. Einführung

Wenn man seinen Bachelorabschluss in Informatik erfolgreich erworben hat, dann stellt man sich natürlich die Frage, wie es danach weitergehen soll. Und ob es überhaupt weitergehen soll. Viele Absolventen hören nämlich nach dem Bachelor auf zu studieren und konzentrieren sich stattdessen erst einmal eine Zeit lang auf ihre Arbeit - Bologna macht's möglich. Wir wollen in diesem Artikel ergründen, für wen es sich eigentlich überhaupt lohnt, einen Master zu machen.


2. Vom Diplom zum Master

Zuvor jedoch ein wenig Hintergrundgeschichte zur Entstehung des Masters. Vor der Einführung des Bachelor- und Mastersystems in Deutschland, hat man hierzulande nämlich ein Diplom erworben. Das ist sozusagen gleichwertig mit einem heutigen Master-Abschluss. Die Regelstudienzeit für das Informatiker-Diplom betrug ca. neun Fachsemester. Addiert man einen Bachelorabschluss mit einer Regelstudienzeit von ca. sechs bis sieben Fachsemestern und einen Master mit drei bis vier Fachsemestern, dann kommt man auf ca. zehn Semester. Auch an Fachhochschulen gab es das Diplom. Um Verwechslungen mit dem universitären Diplom zu verhindern, fügte man hinter den Abschluss noch ein FH hinzu. Wenn man also ein Diplom-Informatiker ist, dann ist man vom Abschluss her gleichwertig mit einem heutigen Master und als Diplom-Informatiker (FH) wird man mit den Bachelorabsolventen in einen Topf geworfen - zumindest im öffentlichen Dienst.

Wir haben nun geklärt, wie die unterschiedlichen Abschlüsse einzuordnen sind. Man kann sich jetzt die Frage stellen, wieso man überhaupt den Bachelorabschluss eingeführt hat. Warum ist man nicht beim guten alten Diplom geblieben? Nun, mit dem Bologna-Prozess wollte man eine europaweite Vereinheitlichung der verschiedenen Studiengänge und -abschlüsse erzielen und somit einen europäischen Hochschulraum schaffen. Es sollte möglich sein, sich als Student mit einem Bachelor- oder Masterabschluss über die Ländergrenzen hinweg mit anderen Absolventen vergleichen zu können und die Türen zu einem größeren Arbeitsmarkt öffnen, was in Zeiten der Globalisierung durchaus sinnvoll und lobenswert ist. Gemessen werden Studienleistungen dabei mit sogenannten ECTS-Punkten. ECTS steht für European Credit Transfer System. Für einen Bachelorabschluss mit sechs Semestern Regelstudienzeit sind 180 ECTS Punkte nötig. Für einen Master sind es noch einmal 120 ECTS Punkte und somit in Summe 300 ECTS Punkte, was einer Regelstudienzeit von zehn Semestern entspricht. Für einen ECTS-Punkt sind 30 Stunden Arbeit zu erbringen. Für einen Bachelor musst du also rein rechnerisch 5400 Stunden und für einen Master insgesamt 9000 Stunden Zeit investieren. Jetzt weißt du vielleicht auch, woher die 10.000 Stunden kommen, von denen immer gesagt wird, dass man sie benötigt, um Meister auf einem bestimmten Gebiet zu werden. Die Realität sieht natürlich ganz anders aus, da man für gewöhnlich weit unter den entsprechenden Stundenzahlen bleibt.


3. Was bringt ein Bachelor?

Der Vorteil von einem Bachelorstudium, das in der Regel nur sechs bis sieben Semester dauert, ist, dass du sehr schnell den Arbeitsmarkt betreten kannst. Das war auch eine Überlegung, denn in vielen Studiengängen mit Staatsexamen (z. B. Jura) kann es sein, dass man am Ende mit leeren Händen dasteht, da man die Abschlussprüfung nicht innerhalb der vorgegebenen Versuche bestanden hat. Mit dem Bachelor ist bereits nach drei Jahren ein Exit in den Arbeitsmarkt möglich.

Dadurch hat man als Absolvent die Chance, erst einmal ein bisschen Geld zu verdienen und Praxiserfahrung zu sammeln. Dadurch bekommt man ggf. ganz neue Eindrücke, die einen dazu verleiten, sich mit einem Masterstudium gezielt in diesem Bereich weiterzuqualifizieren. Wenn du ein grundständiges Studium der Informatik abgeschlossen hast und danach in einer Firma anfängst, in der du viel mit Machine Leaning zu tun hast, dann kann es sinnvoll sein, einen Master in Artificial Intelligence auf seinen Bachelor draufzusetzen. Vielleicht hast du aber auch schon alle Kenntnisse, die du brauchst und ein Master würde dir höchstens eine formal höhere Qualifikation bringen. Wenn es nur darum geht, einen höherwertigen Abschluss zu haben, dann kann man sich oft nur schwer selbst davon überzeugen, dass man sich für weitere vier Semester Vollzeit an die Uni begibt. Deshalb bieten einige Firmen mittlerweile auch duale Masterstudiengänge an. In meinem Artikel zum dualen Studium der Informatik habe ich erklärt, wie so etwas für einen Bachelor abläuft. Bei einem Master gibt es eigentlich keine wesentlichen Unterschiede.

Wir können also festhalten, dass der Bachelor einem die Chance ermöglicht, nach einer kurzen Zeit, die einer klassischen Ausbildung von drei Jahren entspricht, direkt mit einem Hochschulabschluss ins Berufsleben zu starten. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man recht schnell nach seinem Bachelor mit dem Master beginnen sollte, da es mit fortschreitender Zeit immer schwieriger wird, seinen bis dahin erarbeiteten Lebensstandard temporär wieder aufzugeben. Man wird zunehmend bequemer und findet immer wieder Ausreden dafür, warum einem ein Bachelorabschluss ausreicht. 


4. Was bringt ein Master?

Wenn man den erforderlichen Numerus Clausus im Bachelorzeugnis, der an den meisten Unis bei unter 2.5 liegt, erreicht hat, kann man ein Masterstudium aufnehmen und sich dadurch weiterqualifizieren. Programmieren kann man übrigens schon nach dem Bachelor. Dafür ist also kein Master nötig. 

Wenn du in deinem Bachelorstudium 210 ECTS Punkte erworben (also sieben Semester in Regelstudienzeit studiert) hast, dann dauert dein Master nur drei Semester in Vollzeit, ansonsten vier. Mit dem Master erhältst du das Promotionsrecht. In der Informatik promovieren jedoch nicht so viele. Zudem hast du die Chance dich auf Stellen als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder als freiberuflicher Dozent an Unis und Fachhochschulen (das geht teilweise aber auch mit einem Bachelor) zu bewerben.

Der Sinn des Masterstudiums ist es, dass du vertiefte Kenntnisse in einem bestimmten Teilbereich der Informatik bekommst, also z. B. "Künstliche Intelligenz", "Embedded Computing", "Computergrafik und Bildverarbeitung" oder "Cyber-Security". Zwar kann man schon im Bachelorstudium eine dieser Richtungen einschlagen, doch im Master konzentriert man sich dann voll und ganz auf das jeweilige Themengebiet. Ich bin daher der Auffassung, dass es durchaus Sinn ergibt, erstmal mit einem "allgemeinen" Informatik-Bachelor zu starten und sich erst danach auf einen bestimmten Bereich festzulegen, da man so die größtmögliche Basis allgemeiner Informatik-Module mitbekommt und sich daraus das für einen selbst passendste herauspicken kann. Durch eine breite thematische Aufstellung kann man zudem die verschiedenen Technologien beurteilen und in den Gesamtzusammenhang einordnen. 

Der Master eröffnet einem also zusätzliche Jobmöglichkeiten, die man mit einem Bachelor nicht erreichen kann. Allerdings sollte man bei der Wahl der jeweiligen Uni oder Fachhochschule genau den Studienverlaufsplan studieren, um festzustellen, ob der entsprechende Studiengang mit der tatsächlichen Studienabsicht korreliert. Was bringt dir ein Master in IT-Sicherheit fachlich, wenn du die Hälfte der Fächer schon im Bachelor hattest?

Wenn es dir primär ums Geld geht, dann lasse dir gesagt sein, dass du mit einem Master deutlich mehr verdienen kannst als mit einem Bachelor. Die zwei Jahre Mehrarbeit können sich also lohnen! Im öffentlichen Dienst steigst du mit einem Bachelor nämlich in die Gehaltsstufe E13 ein und kannst bis E14 und höher kommen. Das kann im Vergleich zu einem Bachelor gut und gerne 700€ monatlich netto mehr auf dem Konto ausmachen. Auch in der Wirtschaft werden für Master-Absolventen häufig auch höhere Gehälter bezahlt.


5. Fazit

Es kommt bei der Entscheidung, ob der Master in Informatik etwas für dich ist, also in allererster Linie auf deine Ziele an. Wenn du promovieren möchtest oder bestimmte Jobs, die einen Master erfordern, ergattern willst, dann kommst du um einen Master nicht herum. Wenn es dir "nur" ums Geldverdienen geht, ist der Bachelor eine gute Wahl. Achte aber darauf, dass im öffentlichen Dienst hin und wieder Stellen sowohl für Bachelor- als auch Master-Absolventen ausgeschrieben werden und beide de facto dasselbe machen, doch der Master-Absolvent einen (nicht unerheblichen) Mehrverdienst hat.