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Vorbereitung auf das Informatikstudium

1. Einführung

Wenn du die Entscheidung getroffen hast bald dein Informatikstudium zu beginnen, möchtest du dich natürlich auch auf dein Studium vorbereiten. Insbesondere dann, wenn du nach dem Abitur, deiner Ausbildung oder während eines Auslandsjahrs noch etwas Zeit hast, ist es durchaus sinnvoll, sich schon einmal auf das kommende Studium vorzubereiten. Dieser Artikel soll dir dabei helfen, einen Überblick über die Themen zu bekommen, auf die du dich im Vorfeld schon einmal vorbereiten kannst. 

Lasse dir aber unbedingt gesagt sein, dass du selbst mit der besten Vorbereitung vermutlich nur die ersten paar Wochen wirst überbrücken können. Dein Wissen wird recht schnell veraltet sein und deshalb solltest du nicht den Fehler machen und dich aufgrund deiner Vorarbeiten "in Sicherheit wiegen". Ich kenne viele Kommilitonen, die mit Vorwissen ins Studium gestartet sind und dann irgendwann den Anschluss verloren haben, weil sie angeblich schon einmal alles gehört haben. Mein erster Tipp ist also: Egal, wie gut du dich vorbereitet hast, schwänze deshalb nicht die Vorlesung. Erledige trotzdem alle Aufgaben (auch die freiwilligen), besuche die Tutorien und lasse bitte nicht den Besserwisser heraushängen - das macht einen sehr unsympathisch und da Informatik ein Teamsport ist, sollte man es sich nicht gleich zum Anfang des Studiums mit seinen Kommilitonen verscherzen.


2. Vorkurs

Wenn die Entscheidung, an welcher Hochschule du Informatik studieren möchtest, ebenfalls feststeht, solltest du dich auf die Seite der Fachschaft, die für deinen Studiengang zuständig ist, begeben und so viele Informationen wie möglich einholen. Für gewöhnlich wird im Vorfeld zum Studium ein Vorkurs angeboten. Informiere dich deshalb, wann dieser Vorkurs stattfindet und nimmt (falls möglich) unbedingt daran teil. Hier bekommst du von Studierenden (und teilweise sogar Professoren) eine Einführung in die wichtigsten Themen, die dir die ersten Wochen im Semester erleichtern sollen. Für gewöhnlich firmieren diese Kurse unter der Bezeichnung "Mathe-Vorkurs", weil der Fokus dieser Kurse oftmals auf den mathematischen Inhalten liegt. Das liegt daran, dass Mathematik für viele das größte Hindernis im Studium ist und (je nach Hochschulform) ein sehr heterogener Wissensstand vorherrscht. Einige kommen nämlich von einem allgemeinbildenden Gymnasium, andere haben ein Fachabi absolviert und bei wieder anderen liegt die Schulzeit schon einige Jahre zurück. Deshalb ist es wichtig, dass alle mit etwa demselben Kenntnisstand starten.

Achte auch darauf, ob deine Fakultät einen speziellen Mathe-Vorkurs für Informatiker anbietet. Es gibt nämlich auch fakultätsübergreifende Angebote, die nicht speziell für Informatiker sind. Auch diese Kurse können hilfreich sein, doch oft werden hier auch Themen behandelt, die dir in deinem Studium nicht weiterhelfen, da man versucht, möglichst viele MINT-Fächer mit Mathematik-Inhalten abzudecken. Ein guter Vorkurs dauert mindestens eine Woche lang und bietet viel Raum für gemeinsame Übungen. Zudem erleichtert der Kurs die Gruppenbildung, was besonders Personen, die ein schüchternes Naturell besitzen, zugute kommt. 

Genug der langen Vorrede! Wir starten nun mit den konkreten Inhalten.


3. Mathematik

Wenn du dich auf dein Informatikstudium vorbereiten willst, dann sollten zwei große Bereiche auf deinem Stundenplan stehen: Mathematik und Programmierung. 

Bei den Mathematik-Inhalten empfehle ich dir alles, was ich auch meinen Studenten in den Vorkursen vermittelt habe: 

  • Rechengesetze und Umformungen (Zahlen, Brüche, Rechenregeln für Brüche, Wurzeln, Wurzelgesetze, Logarithmen, Logarithmusgesetze, Potenzen, Potenzgesetze, Terme und Gleichungen, Termumformungen, Gleichungsumformungen, Assoziativgesetz, Distributivgesetz, Kommutativgesetz)
  • Logik (Summennotation, Quantoren, Aussagenlogik, logische Verknüpfungen, Operatorrangfolge, Prädikatenlogik, Quantorenwechsel)
  • Stellenwertsysteme (Dezimalsystem, Binärsystem, Hexadezimalsystem, g-adische Zahlendarstellung, Maschinenzahlen)
  • Vollständige Induktion (das lässt sich hervorragend mit den Kenntnissen aus der Schule erklären und schafft ein erstes Gefühl für Beweise an der Uni). *** Ein Video zur vollständigen Induktion und zu Beweisen im Allgemeinen findest du unten in der Videobeschreibung ***
  • Mengenlehre (Zahlenmengen, Grundbegriffe wie Schnitt, Vereinigung usw.)
  • Funktionen (Funktionsbegriff, Intervalle, Surjektivität, Injektivität, Bijektivität, Schnittpunkte, Nullstellen, Verschieben von Funktionen, gerade und ungerade Funktionen, periodische Funktionen, lineare Funktionen, Exponentialfunktionen, Polynomfunktionen, p-q-Formel, abc-Formel, Horner-Schema)
  • Differentiation (Limes, Steigungsberechnung mit Grenzwerten, Ableiten von Funktionen, die Regel von l'Hospital, Ableitungsregeln, das Newton-Verfahren zum lösen nichtlinearer Gleichungen)
  • Integration (Riemannsches Integral, bestimmte und unbestimmte Integrale, der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung, Stammfunktionen von Polynomen, Integration durch Substitution, partielle Integration)
  • Folgen und Reihen (Folgenbegriff, arithmetische und geometrische Folgen, Monotonie und Beschränktheit von Folgen, Nullfolgen, Reihenbegriff, arithmetische und geometrische Reihen, die harmonische Reihe, Konvergenz und Divergenz von Reihen, das Konvergenzkriterium für geometrische Reihen)

Dein Fokus sollte vor allem auf dem ersten Punkt liegen! Die meisten Studierenden scheitern nämlich nicht an den mathematischen Gedankengängen an sich, sondern an der fast nicht vorhandenen Fähigkeit, einfache Term- und Gleichungsumformungen durchzuführen oder Potenzgesetze korrekt anzuwenden. Es gibt einige Apps, die dir dabei helfen können, diese Inhalte zu wiederholen (wie etwa Math42).


3. Programmierung

Ich habe in meinem Video zum Informatikstudium erwähnt, dass du für ein Informatikstudium keine Vorkenntnisse in der Programmierung benötigst (und bei dieser Aussage bleibe ich auch), aber selbstverständlich schaden Programmierkenntnisse keineswegs und können den Einstieg ins Studium erleichtern. 

Welche Programmiersprache in deinen Vorkurs gehört, kann man nicht pauschal beantworten, da jede Uni in diesem Bereich ihr eigenes Süppchen kocht. Von C, C++ über Java bis hin zu Python ist vermutlich jede Sprache irgendwo in irgendeinem Informatik-Studiengang als erste Programmiersprache vorgesehen. Ich habe in meinen Vorkursen immer Java gelehrt, weil das die Sprache ist, die an der Hochschule München als erstes durchgenommen wird. Ich habe aber darauf geachtet, dass vor allem die Konzepte gelehrt und verstanden werden. Damit ist gemeint:

  • Was ist Programmierung?
  • Wie kommt man von einer Idee zu einem lauffähigen Programm?
  • Variablen und Datentypen
  • if-Anweisungen
  • for-Schleifen, while-Schleifen
  • Funktionen
  • Objektorientierte Programmierung

Wenn du diese Konzepte verstanden hast, dann werden die Programmiersprachen, die du lernen wirst, kein Hindernis sein, denn jede Anforderung lässt sich auf diese Basics zurückführen.

Weitere Themenbereiche kannst du gerne abarbeiten, wenn du danach noch Zeit und Lust hast. Evtl. kannst du auch im Vorfeld Kontakt mit deiner zukünftigen Fachschaft aufnehmen und nach Skripten/Altklausuren für verschiedene Fächer fragen. 


4. Praktikum

Wenn du einen allgemeinen Überblick über das praktische Arbeiten als Informatiker bekommen möchtest, dann wäre vielleicht ein Praktikum vor dem Studium sinnvoll. Wenn du z. B. schon weißt, dass du später einmal in der Spieleentwicklung tätig werden willst, dann ist ein Praktikum bei einer Softwarefirma ein guter Weg um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: 

  1. Du lernst ein bisschen Programmieren.
  2. Du kannst einen ersten Eindruck von dem bekommen, wie dort gearbeitet wird. 

Vielleicht stellst du währenddessen auch fest, dass dieser Bereich doch nichts für dich ist. In diesem Fall war dein Praktikum auch keineswegs umsonst, denn du bist um eine wichtige Entscheidung reicher, die ggf. dein ganzes Leben beeinflusst. 


5. YouTube

Während den ganzen Vorbereitungen solltest du natürlich nicht den Spaß am Studium verlieren. Deshalb ist es wichtig, dass du es mit der Vorbereitung nicht übertreibst (außer du hast wirklich Spaß daran). Auf YouTube gibt es viele gute Videos, die Einblicke in das Informatikstudium geben und eine Vielzahl an tollen Projekten, die Lust auf mehr machen. Wenn du dich mit entsprechenden Kanälen und Videos motivierst, bleibt das Feuer der Leidenschaft für die Welt der Bits und Bytes auch noch bis weit ins erste Semester erhalten.

Ein weiterer Vorteil: Viele Kanäle auf YouTube können dir auch noch im Studium weiterhelfen. Viele Lernvideos ermöglichen es dir außerdem, schon vorab bestimmte Themen wie die vollständige Induktion oder Grundkonzepte von Betriebssystemen zu erlernen. Besonders dann, wenn du das Wissen breiter streust und dich nicht nur auf ein Fach vorbereitest, bekommst du ein Feeling für das Studium und startest mit einem gewissen Gefühl der Sicherheit in die ersten Wochen. Das beruhigt ungemein!